Reformation

„[...] In allen Kirchen der äussern Rhoden wurden nun diese beiden Vorschläge [Anm: Die eidgenössische Tagsatzung von Baden im Mai 1597 machte zwei Vorschläge, um den Streit zwischen den innern und äussern Rhoden ausgelöst durch das spanische Bündnis zu schlichten, wobei der zweite die Landteilung zum Inhalt hatte.] verlesen und Montags den 23. Mai 1597 versammelten sie sich zu einer Landsgemeinde in Hundwil, die mit einhelligem Mehr sich für den zweiten Vorschlag, also für die Landtheilung aussprach. Sogleich wurde dieser Beschluss nach Appenzell berichtet mit der Frage, ob die inneren Rhoden bis zur durchgeführten Theilung noch ferner mit ihnen zu Gericht und Rath sitzen wollen. Es erfolgte der Abschlag und schon den 15. Brachmonat hielten sie eine abgesonderte Landsgemeinde, an der auch die Katholiken in Oberegg und Hirschberg Theil nahmen, und übertrugen das Landessiegel dem alt Landammann Johann von Heimen, die Seckelmeisterstelle dem Georg Räss. Die äussern Rhoden wechselten mit ihren Rathssitzungen von einer Gemeinde zur andern. Bis der Ort bestimmt sei, wohin sie den Stab verlegen wollen.

Da nun das Vermögen des Landes nach der Zahl der Mannschaft vertheilt werden sollte, so wurde sogleich zu einer Zählung derselben geschritten, die nach Zellweger folgendes Ergebnis zeigte:

Urnäsch515 Mann
Herisau1142 Mann
Huntwil700 Mann
Teuffen350 Mann
Speicher207 Mann
Trogen644 Mann
Rothen, jetzt Bühler197 Mann
Grub135 Mann
Kurzenberg, jetzt Heiden, Wolfhalden und Lutzenberg602 Mann
Reformierte am Hirschberg, pfarrgenössig nach Bernegg, jetzt Reute84 Mann
Katholische am Hirschberg, auch nach Bernegg pfarrgenössig217 Mann
Reformirte in Oberegg (Reute)55 Mann
Katholische daselbst193 Mann
Reformirte in Oberegg, die nach St. Margrethen pfarrgenössig waren281 Mann
Katholische daselbst, die nach St. Margrethen pfarrgenössig waren24 Mann
Reformirte am Hirschberg, die nach St. Margrethen pfarrgenössig waren602 Mann
Katholische daselbst, die nach St. Margrethen pfarrgenössig waren281 Mann
Gais445 Mann
6674 Mann
Davon abgezogen die oben erwähnten Katholiken715 Mann
Betrug in den äussern Rhoden die Gesamtzahl der reformirten Mannschaft   5959 Mann

 

Die Mannschaft der innern Rhoden, mit Inbegriff der 715 Katholiken in den äussern, zählte 2782.

Bei einer den 10. Heumonat von Abgeordneten beider Landestheile abgehaltenen Konferenz erhob sich ein Streit wegen der Katholischen Bewohner vom Hirschberg und Oberegg, die sich zu den innern Rhoden hielten, aber von den äussern als ein Theil der Gemeinde Trogen angesprochen wurden. Es kam vor die Eidgenossen an der Jahrrechnung zu Baden, wo der Landammann von Haimen nicht nur jene Ansprüche zu begründen suchte, sondern dieselben auch auf die Rhode Gais auszudehnen suchte, wozu die ausserrhodischen Deputirten nicht einwilligen konnten. Von beiden Theilen erbotene Schiedsrichter kamen ins Land; für die innern Rhoden: Nikolaus Pfyffer, Pannerherr und des Raths von Luzern; Rudolf Reding, Landammann und Pannerherr von Schwyz; Johann Walser, Landammann und Pannerherr von Nidwalden. Für die äussern Rhoden: Johannes Keller, Bürgermeister von Zürich: Jost Pfändler, Statthalter und des Raths von Glarus; Johann Konrad Maier, Doktor der Rechte und Bürgermeister von Schaffhausen.

Nach einer Vorberathung zu Herisau beschieden sie die Abgeordneten der äussern Rhoden auf den folgenden Tag, den 22. August 1597, nach Appenzell. Hier wurden auf dem Rathhause, nach Anhörung beider Parteien, durch den Stadtschreiber Joh. Georg Grebel von Zürich die Vergleichungspunkte zu Papier gebracht, vorgelesen und nach erfolgter Zustimmung beidseitiger Deputirten des Landes zur Annahme oder Verwerfung an das Landvolk gewiesen. Die äussern Rhoden hielten ihre Landsgemeinde zur Abstimmung darüber in Gegenwart der vorhin erwähnten reformirten Schiedsrichter den 28. August zu Teufen. Die entworfene Urkunde, bis zur Stunde unter dem Namen Landtheilungsbrief bekannt und den 17 Artikel enthaltend, wurde vom Stadtschreiber Grebel aus Zürich dem Landvolke vorgelesen und ihr hernach von diesem einstimmig die Sanktion ertheilt. Die Aemter wurden besetzt, der Eid geschworen und die gegenseitige Zusage gethan, Gericht und Rath vor allem Gewalt zu schützen und die Ehre Gottes und die reformirte Lehre nach bestem Vermögen zu befördern. Nachdem auch das Landvolk der innern Rhoden dem Landtheilungsbrief die Zustimmung gegeben, wurde er besiegelt und nicht lange hernach fand die Ausscheidung der Grenzen und die Vermögenstheilung statt. Die Katholiken in den äussern Rhoden übersiedelten nach Innerrhoden, und umgekehrt die Reformirten der innern Rhoden nach Ausserrhoden unter gegenseitiger Austauschung darliegender Gründe. Des gelungenen Werkes froh, kehrten die eidgenössischen Vermittler heim, und Regierung und Volk beider Landestheile freuten sich des hergestellten Friedens.

Fortan geht nun jeder Landestheil seinen eigenen Weg und hat seine eigene, selbständige Entwicklung und Geschichte. Innerrhoden hält sich in politisch-kirchlichen Dingen an die katholischen Urstände: Ausserrhoden hingegen geht mit den reformirten Ständen, in kirchlichen Dingen hauptsächlich mit Zürich, einig, und bis auf den heutigen Tag begehrte keiner der beiden Kantonstheile von der Lizenz, die im 17. Artikel des Landtheilungsbriefs ausgesprochen ist, Gebrauch zu machen und sich mit dem andern wieder zu vereinigen.“

Quelle: Appenzellisches Jahrbauch 1866, S. 16 ff., von Pfarrer Büchler

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