Landeschronik 1916

„Welch’ ein Labyrinth tut sich uns auf im Hinblick auf die Unmasse von eidgenössischen Verordnungen, die auch auf den Stand und Gang der kantonalen Angelegenheiten abfärben und unsern Behörden, der gesetzgebenden und der vollziehenden, manch harte Nuss zu knacken gegeben haben. Der Chronist, der sie zu sichten hat, beschränkt sich auf die Angabe derjenigen Bundesbeschlüsse und Verordnungen, die ihm als wesentlich erscheinen für unsern Kanton.

Januar 4. Der Bundesrat fasst definitiv Beschluss über die Organisation der Kriegssteuerverwaltung. Das eigentliche Einschätzungsverfahren soll in den ersten Monaten des Jahres begonnen werden und bedingt auch bei uns die sofortige Anhandnahme der bezüglichen Vorarbeiten; die erste Arbeit liegt in der Erstellung eines alphabetischen Verzeichnisses der natürlichen und der mutmasslichen Steuerpflichtigen durch die Gemeinden.

Januar 8. Das Militärdepartement macht auf das Unstatthafte der konkurs- oder betreibungsrechtlichen Versteigerung von Pikettpferden ohne Einholung einer Bewilligung bei der Oberleitung aufmerksam und verweist auf die bezügliche Instruktion vom 14. Okt. 1914.
Die eidgenössische Staatskasse weist an Beiprämien zuhanden der Viehzuchtgenossenschaften unseres Kantons Fr. 2912.- an.

Januar 28. Eine Hiobsbotschaft für die Schützenvereine! Die Abgabe der Munition an die Schiessvereine wird auf unbestimmte Zeit eingestellt; die Erfüllung der Schiesspflicht ausser Dienst ist bis auf weiteres aufzuheben.
Aus dem eidgenössischen Notstandsfonds wird eine Zuwendung von 5 Rp. pro Kopf der Bevölkerung unter bestimmten Vorbehalten zugesichert.

Januar 29. An das Forstwesen im herwärtigen Kanton wird ein Bundesbeitrag von Fr. 2014.05 pro 1915 ausgerichtet.

Februar 1. Der Bundesrat nimmt eine Verordnung an über die Musterung der nichtmilitärpflichtigen Schweizer und der Privatwaffen. Die Hauptbestimmung lautet: Sämtliche nicht militärpflichtigen Schweizer vom 16. bis 60. Altersjahre, die jemals dienstlich mit Gewehr oder Karabiner ausgebildet worden sind, oder jemals einem Schiessvereine als schiessende Mitglieder angehört haben oder sonst mit der Handhabung von Gewehr, Karabiner oder Stutzer vertraut sind, haben sich einer persönlichen Musterung zu unterziehen und sich über ihre Schiessfertigkeit auszuweisen.

Februar 5. Der Bundesrat hat die seinerzeitige Verfügung betreffend Höchstpreis für Käse (Appenzeller Rässkäse) rückgängig gemacht und das Recht zur Festsetzung der Höchstpreise dem Kanton überlassen (wovon der Regierungsrat vorderhand noch keinen Gebrauch macht).
Zur Durchführung der Lebensmittelkontrolle im Jahre 1915 wird ein Bundesbeitrag von Fr. 2339.10 ausgerichtet.

Februar 10. Das Ergebnis der Zeichnungen auf die vierte eidgenössische Mobilisationsanleihe ist ein recht erfreuliches. Von 24,496 Zeichnern sind insgesamt Franken 124,909,700 gezeichnet worden. (Wie viel hieran Appenzell A. Rh. gesteuert, entzieht sich unserer genauen Kenntnis).

Februar 12. Der Bundesrat regelt die Neuordnung der Beziehungen zwischen Zivilbehörde und Militärbehörde, d.h. die Zuständigkeit für die Ausgaben der Armee, die Beschränkung der Tätigkeit der Heerespolizei auf den Dienst bei der Truppe und entlastet die Militärgerichte von allen nicht unter den allgemeinen Begriff eigentlicher Militärvergehen fallenden Verletzungen der Gesetze etc., um die kantonalen Gerichte mit ihrer Ahndung zu beauftragen.
An die Handhabung der Wildhut in Appenzell A. Rh. wird ein Bundesbeitrag von Fr. 375.27, an die Fortbildungsschule Gais ein solcher von Fr. 304.- bewilligt.

Februar 26. Der Bundesbeitrag an die Handelsabteilung unserer Kantonsschule beträgt Fr. 1444.-.

März 8. Die dem herwärtigen Kanton zukommende Quote des eidg. Notstandsfonds für Hülfsbedürftige beträgt Fr- 2898.65 und gelangt zur Auszahlung.

März 16. Der Anteil von Appenzell A. Rh. an den Reineinnahmen des Bundes aus dem Alkoholmonopol beläuft sich pro 1915 auf die Summe von Fr. 101, 489.50.

März 25. Der Bundesrat trifft Massnahmen zur Sicherung der Versorgung des Landes mit Milch und Milchprodukten und genehmigt die Verordnung über die Unfallversicherung.

April 15. Die eidgenössische Schulsubvention für unser Primarschulwesen wird auch für das laufende Jahr mit Fr. 34,783.80 berechnet.

Mai 10. Der Bundesbeitrag an die gewerblichen Fortbildungsschulen beträgt Fr. 3476.-.

Juni 10. Der Bundesrat beschliesst die Aufnahme einer 100 Millionen-Anleihe zu 4 ½ Prozent und zum Kurse von 97. – Die Einführung der Sommerzeit wird abgelehnt.

Juni 13. Den Lebensmittelwucherern geht es an den Kragen, sie haben laut bundesrätlichem Beschluss Strafverfolgung zu gewärtigen.

Juni 16. Da es nicht möglich war, durch freihändigen Ankauf den Bedarf an Stroh und Heu für die Armee bis zur Fütterungsmöglichkeit der diesjährigen Ernte zu decken, so hat das eidgenössische Militärdepartement die zwangsweise Lieferung von vorjährigem Heu durch die Gemeinden angeordnet.

Juni 24. Aus dem eidgenössischen Grundbuchvermessungsfonds wird an die Kosten der dritten Sektion „Vorderland“ der Triangulation IV. Ordnung ein Bundesbeitrag von Fr. 5220.- entrichtet. An hauswirtschaftliche Bildungsanstalten beläuft sich die Bundessubvention auf Fr. 2885.-.

Juni 30. Der Bundesrat genehmigt eine Verordnung über die Behandlung der Refraktäre und Deserteure in der Schweiz.

Juli 5. Auf die fünfte eidgenössische Mobilisationsanleihe wurden von 21,283 Zeichnern 127 Millionen gezeichnet.

Juli 22. An die Kosten von Bodenverbesserungen in der Gemeinde Urnäsch (Güterstrasse Auhölzli-Ettenberg) wird ein Bundesbeitrag von im Maximum Franken 11,250.- zugesichert.

August 12. An die hinterländische Triangulation gelangt ein Subventionsbetrag von Fr. 10,390.- zur Auszahlung.

September 6. Es wird folgender Bundesbeitrag zugesichert: An gewerbliche Bildungsanstalten Fr. 1054.-.
Aus dem Reinerlös des Verkaufs der 4. Serie der Landesausstellungsverlosung (Bern 1914) übermacht das Zentralkomitee dem herwärtigen Kanton die Summe von Fr. 900.-, die in die Notstandskasse fliessen. (Nachdem der Verkauf der Ausstellungslose in Appenzell A.Rh. durch die Regierung strikte verboten war, muss es etwas sonderbar anmuten, dass aus diesem Beschluss nicht die Konsequenz gezogen wurde, sich auch nicht am Gewinn der Ausstellungslotterie zu beteiligen).

Oktober 24. Der Bundesrat erlässt ein Verbot, nach welchem auf dem ganzen Gebiet der Eidgenossenschaft das Schlagen von Nussbäumen untersagt ist.

November 25. Das schweizerische Militärdepartement wendet sich an die Kantonsregierungen mit dem Plan einer Notstandsaktion zum Zwecke der Versorgung der minderbemittelten Bevölkerungskreise mit Lebensmitteln zu herabgesetzten Preisen; laut der Vollziehungsverordnung des Regierungsrates vom 8. Dezember werden als „Bedürftige“ diejenigen Einwohner des Kantons betrachtet, welche nicht über Fr. 1000.- Vermögen und nicht zugleich über Fr. 2000.- Einkommen versteuern und einen eigenen Haushalt führen.

Dezember 19. Der Bundesrat hat für die Gebiete der Kantone Zürich, Appenzell A. Rh., St. Gallen und Thurgau einen „Notstandsfonds der Stickereiindustrie“ mit Sitz in St. Gallen gegründet. Er soll zur Unterstützung notleidender Arbeiter, Angestellter und Einzelsticker der Stickereiindustrie dienen.

Dezember 23. An verschiedene hauswirtschaftliche Anstalten gelangen an Bundessubventionen zur Auszahlung Fr. 1120.-.

Dezember 29. Das schweizerische Volkswirtschaftsdepartement hat mit Rücksicht darauf, dass die Milchpreise heute vielfach unter den Produktionskosten stehen, die Anordnung getroffen, dass den Milchproduzenten auf 1. Januar 1917 ein Mehrerlös von einem Rappen für das Kilogramm Milch zukommen wird. Die Konsummilchpreise sollen dadurch aber keine Erhöhung erfahren.

Es mag das Jahr 1916 in der Hinsicht als ein Unikum betrachtet werden, als während dieses Zeitraumes keine eidgenössische Abstimmung notwendig war. Hingegen fand eine eidgenössische Viehzählung statt, nach welcher in unserm Kanton die Gesamtzahl der Tierbesitzer 3300 gegenüber 3587 im Jahre 1911 betrug. Hievon sind 328 Pferdebesitzer, 2742 Rindviehbesitzer und 1821 Kleinviehbesitzer. Der Tierbestand ergab folgendes Bild: Pferdegeschlecht 620, Rindvieh 13,317, Zuchtstiere und Ochsen 221, Schweine 8979, Schafe 458 und Ziegen 3144, somit ergibt sich eine Gesamtzahl von 26,539 Tieren oder durchschnittlich rund 8 Tiere pro Tierbesitzer.

In der Dezembersession trat Nationalratspräsident Arthur Eugster von Speicher als solcher zurück, nachdem er diesen Posten in bewegter Zeit mit viel Umsicht und Geschick versehen hat.“

Quelle: Seiten 98 ff.

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