Gebrüder Eugster

Aus den USA nach Speicher zurück

Eng mit Speicher verknüpft ist das Brüderpaar Howard Eugster-Züst und Arthur Eugster. Beide wurden als Söhne einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in New York geboren – Howard 1861, Arthur 1863 – und kamen nach dem Tod der Mutter Anna Elisabeth zusammen mit ihrem Vater Jakob 1865 in die Schweiz zurück. Ein Jahr nach der Rückkehr starb auch der Vater, worauf die beiden Brüder im Haus eines Onkels in Speicher Aufnahme fanden.

Zwei Brüder – zwei Wege

Obwohl sie durch den frühen Tod ihrer Eltern Vollwaisen geworden waren, blieb die Speicherer Jugendzeit von Howard und Arthur Eugster keineswegs freudlos. Onkel Arnold Eugster, ein späterer Gemeindehauptmann, und dessen Schwester Elise Eugster bemühten sich nach Kräften, ihren Neffen verständnis- und liebevolle Ersatzeltern zu sein. Nach dem Besuch der Grundschulen wechselten die beiden Brüder an ein Freies Gymnasium in Bern, das nach seinem Gründer als Lerberschule benannt war. In dieser Gymnasialzeit verstarb auch ihr Onkel.
Nach einem in Neuenburg, Basel und Berlin absolvierten Theologiestudium wurden Howard und Arthur Eugster 1887 in Speicher als Pfarrer ordiniert. Howard wurde Pfarrer in Hundwil, Arthur in Reute und danach in Trogen. In ihren politischen Ansichten nahmen die Brüder unterschiedliche Positionen ein. Howard neigte dem linken Gedankengut zu, Arthur fand in bürgerlichen Ideen seine politische Heimat. Das ausgeprägte Interesse an Politik liess beider Lebensweg in politische Karrieren münden, die zunächst noch parallel zu ihren pfarramtlichen Tätigkeiten verliefen. Howard Eugster, der sich dank seines Engagements zugunsten der Textilarbeiter als «Weberpfarrer» einen Namen gemacht hatte, wurde 1900 in den Kantonsrat gewählt und wirkte von 1913 bis 1931 als erster SP-Regierungsrat. Seine 1908 erfolgte Wahl in den Nationalrat nötigte ihn, das Pfarramt aufzugeben. Arthur Eugsters politische Laufbahn begann 1895 mit der Wahl in den Kantonsrat. Schon fünf Jahre später berief ihn die Landsgemeinde in den Regierungsrat und später auch ins Landammannamt. Er war Mitbegründer der kantonalen FDP, die er auch präsidierte. 1902 schickten ihn die Ausserrhoder nach Bern in den Nationalrat. Dass ihm sechs Jahre später sein älterer Bruder in die grosse Kammer folgte, darf gewiss als Eigentümlichkeit eingestuft werden. 1915 wurde Arthur Eugster dank der Wahl zum Nationalratspräsidenten höchster Schweizer. 1922 starb er; sein Bruder Howard folgte ihm 1932 im Tod nach.
Die beiden ungleichen Brüder verband zeitlebens ein enges Band der Liebe, «das auch später, als im öffentlichen Wirken der beiden sich grundsätzliche Verschiedenheit einstellte, nie die geringste Trübung erfuhr», wie Arnold Eugster in der «Geschichte der Gemeinde Speicher» festgehalten hat.