Hans Krüsi

Der Mann mit der blumigen Phantasie

Er führte ein Leben als Aussenseiter, gilt indes als wichtiger Vertreter der Art brut: Hans Krüsi, 1920 in Zürich geboren, 1995 in St. Gallen gestorben. Einige Jahre seines Lebens verbrachte der Künstler, der meist einen mit Blumen geschmückten Hut trug, in seiner Heimatgemeinde Speicher, wo er auch zur letzten Ruhe gebettet wurde. Der St. Galler Plastiker Max Oertli schuf ihm ein eigenwilliges Grabmal.

Vom Leben hart angepackt

Es waren keineswegs die besten Umstände, die Hans Krüsis Start ins irdische Dasein kennzeichneten. Als uneheliches Kind der Emma Krüsi kam er im Alter von zwei Jahren in Speicher in die Obhut von Pflegeeltern, ehe man ihn als Zehnjährigen im Waisenhaus einquartierte. Der Schule mehr schlecht als recht «entronnen», schlug er sich da und dort in der Schweiz als Knecht und Gärtnergehilfe durch. 1947 liess sich Hans Krüsi schliesslich in St. Gallen nieder.
Es kam die lange Jahre währende Zeit, in der er täglich frühmorgens mit der Bahn nach Zürich fuhr und an der Zürcher Bahnhofstrasse Blumen verkaufte. Seine mangelbehaftete körperliche Verfassung und die doch kritischen Lebensumstände nagten stark an seiner Gesundheit und nötigten ihn 1968 zu einem halbjährigen Kuraufenthalt auf dem Walenstadtberg.
Wofür Hans Krüsi vor allem bekannt wurde, nahm seinen Anfang 1975: Er begann zu malen. Was alles als Farbträger dienen konnte – Packpapier, Servietten oder Karton –, nahm unter seinen Pinselstrichen andere Gestalt an. Tiere als Motiv hatten es ihm besonders angetan, und unter diesen wiederum Kühe – wohl eine «Reverenz» an seine Zeit als Knecht. Die Leute nahmen immer stärker zur Kenntnis, was Hans Krüsi da, völlig unverblendet und vielfach auch belächelt, an Phantasie in Bilder ganz eigener Prägung umsetzte. Er fand auch immer mehr Käufer seiner unkonventionellen Werke. So konnte es nicht ausbleiben, dass sich schliesslich auch der Kunsthandel seiner annahm. Ob alle, die sich ihm andienten, es auch in lauterer Absicht taten oder aber den Blick eigennützig mehr auf potenzielle Erfolgsaussichten richteten, die sie sich mit dieser Malerei versprachen, bleibe dahingestellt. Jedenfalls veränderte sich Hans Krüsis Existenz in wirtschaftlicher Hinsicht nachhaltig hin zum Positiven, so dass er nicht mehr auf den Verdienst aus dem Blumenverkauf angewiesen war. Seine Werke fanden den Weg in Galerien und Kunstausstellungen – die Kunstszene hatte ihn vollends entdeckt. Das fand seinen Niederschlag auch in Publikationen und in einem Film. Ein Lungenemphysem riss Hans Krüsi im September 1995 aus seinem bewegten Leben. Hinterlassen hat er ein umfangreiches Werk. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden erwarb 2012 eine namhafte Sammlung seiner Bilder.