Silvia Schittli

Mädchen für alles

Die «Krone» sei damals günstig zu kaufen gewesen, sagt Silvia Schittli-Berther, die Tochter des neuen Eigners. Anton Berther wirtet nicht selber. Er setzt seinen Sohn Gottfried und dessen Gattin Ursula als Wirtepaar ein. Zur tatkräftigen Mithilfe kommt Gottfrieds Schwester Silvia mit nach Speicher. «Ich wollte eigentlich Kinderschwester werden, doch hat der Vater verfügt, dass ich meinem Bruder in der ‹Krone› zur Hand gehen sollte, wo ich dann gewissermassen Mädchen für alles wurde», blickt Silvia Schittli zurück. Ihre Arbeitskraft ist umso mehr gefragt, als Gottfried Berther mit gerade mal 23 Jahren stirbt. Seine Gattin erleidet vor der Geburt des ersten Kindes eine Nierenkolik und verliert das Kind. 

«Gmögige» Appenzeller

Was für prägende Erinnerungen verbindet Silvia Schittli mit der «Krone», die trotz der häufigen Besitzerwechsel nach wie vor eine ausgezeichnet frequentierte Gaststätte ist? Aus dem Aargau ins Appenzellerland heraufgekommen, muss sich die junge Frau erst einmal an die Menschen hier oben gewöhnen. Doch allzu lange braucht sie dazu nicht. «Mir sind die Appenzeller schnell als angenehm im Umgang vorgekommen. Jedenfalls habe ich sie gegenüber den Aargauern als ‹gmögiger› wahrgenommen», windet sie ihrer für sie damals neuen Umgebung in der Rückblende ein Kränzchen. In den Zimmern habe sich oft Militär einquartiert. Und für die Sonnengesellschaft mit ihren honorablen Mitgliedern sei die «Krone» wie eh und je das Stammlokal gewesen. Zu der damals noch existierenden Schützengartengesellschaft, für welche die «Linde» der Versammlungsort war, sei die Sonnengesellschaft mitunter in Konkurrenz gestanden, wenn sich denn nicht gar Konfliktsituationen mit politischem Hintergrund ergeben hätten.

Beliebter Treffpunkt

«Ein beliebter Treffpunkt war die ‹Krone› für die Männerriege, der auch mein Vater angehörte. Häufig kamen die Männerriegler zum Jassen zu uns. Aber auch andere Jassrunden fanden sich hier regelmässig zusammen. Und dann beherbergten wir ja stets auch Kurgäste, die sich trotz des fehlenden fliessenden Wassers in den Zimmern nicht davon abhalten liessen, zu einer Zeit ihre Ferien hier zu verbringen, da Speicher noch mit dem Prädikat ‹Luftkurort› Propaganda machte», kramt Silvia Schittli in ihrem Erinnerungsschatz. Sie berichtet vom Brunnen ennet der Strasse, in dem Fische gehalten werden, so dass die Speisekarte immer wieder mit Fischgerichten bereichert wird. Und vor sich sieht sie auf der Westseite der «Krone» die noch immer existierende Brückenwaage, die bedient sein will. Aus dem einstigen Rossstall hinter dem Gasthaus, der zu Arnold Oertles Zeiten von Wichtigkeit war, wird eine Garage. Regelmässiger Gast in der «Krone» ist ein gewisser Ueli Schittli. Ihm hat es das arbeitsame Mädchen für alles aus dem Aargau besonders angetan – was auf Gegenseitigkeit beruht. So wird aus Silvia Berther schliesslich Silvia Schittli-Berther. Das Paar, dem drei Kinder geschenkt sind, zieht ins Haus neben der «Krone», wo es bis auf den heutigen Tag lebt.