Aufstrebender Freiheitswille

Das Joch der äbtischen Herrschaft abschütteln und Souveränität erlangen – dieses Bestreben der Appenzeller mündete in deren Freiheitskriege, die 1403 in der Schlacht bei Vögelinsegg und zwei Jahre später in jener am Stoss den Weg in die Unabhängigkeit ebneten und der Herrschaft des Klosters St. Gallen über das Appenzellerland, zu jener Zeit verkörpert durch den bei seinen Untertanen äusserst unbeliebten Abt Kuno von Stoffeln, ein Ende zu setzen begannen.

Sieg mit auswärtiger Hilfe

Das Verhältnis zwischen dem Abt und dem damals noch ungeteilten Land Appenzell war ausgangs des 14. und eingangs des 15. Jahrhunderts durch verschiedene Vorkommnisse derart belastet, dass eine kriegerische Auseinandersetzung unausweichlich wurde. Die Appenzeller fanden mit den Schwyzern Verbündete, welche durch die Entsendung einer kleinen Streitmacht die Kampfkraft der Appenzeller massgeblich erhöhten. Am 15. Mai 1403 zog ein mehrere tausend Mann zählendes und durch Zuzug aus Bodenseestädten verstärktes Heer des Abtes Richtung Speicher, wohl in der Absicht, später nach Appenzell vorzudringen. In der Gegend des Hofs Loch – ungefähr dort, wo sich heute die Station Rank der Appenzeller Bahnen befindet – hatten sich die durch die Schwyzer Abordnung verstärkten Appenzeller hinter einer Letzi verschanzt. In der Überlieferung ist von etwa vier- bis sechshundert Leuten die Rede, die auf das äbtische Heer warteten. Dessen Vorhut begann, die Letzi zu durchbrechen – und wurde durch einen Angriff der Verteidiger dermassen überrascht, dass sie ihre Waffen gar nicht erst zur Geltung bringen konnte. «Sobald nun die erste Verwirrung in die aufgelaufene, auf schmalem Raum zusammengedrängte Kolonne gebracht war, wurde diese von der Höhe mit Steinen beworfen... Gleich darauf folgte der Hauptangriff in die Flanke des Gegners. Dieser Angriff muss vor allem die Reiterei getroffen haben, die völlig eingezwängt im Hohlweg den Hieben der mit Geschrei Heranstürmenden fast wehrlos preisgegeben war.» So schildert Walter Schläpfer in der «Appenzeller Geschichte» den Schlachtverlauf. Das äbtische Heer trat die Flucht an und wurde noch bis vor die Tore der Stadt St. Gallen verfolgt.
Den Helden der Schlacht ist 500 Jahre nach dem Sieg ein Denkmal gesetzt worden. Es steht auf der Vögelinsegg-Krete, rund einen Kilometer südöstlich des eigentlichen Schlachtortes. Dem mit der Ausführung betrauten Herisauer Bildhauer Otto Steiger wurde die Verpflichtung auferlegt: «Der Typ des Kriegers soll ächter Appenzeller, die Kleidung der damaligen Zeit möglichst getreu nachgebildet sein.» Diesen Vorgaben entspricht das 1903 eingeweihte Denkmal. Ein im Zuge eines heftigen Gewitters in den 1980er-Jahren herunterstürzender Ast köpfte den stämmigen Mann, doch wurde der Schaden umgehend behoben. Das Bild des Enthaupteten ging damals durch die gesamte Schweizer Presse.