Textilindustrie mit beachtlicher Vergangenheit

Der Textilbereich hat im Appenzellerland von jeher eine wichtige Rolle gespielt und ist auch heute noch in verschiedenen Gemeinden von etwelcher Bedeutung. Speicher bildet da keine Ausnahme, auch wenn man nunmehr doch eher den Imperfekt bemühen muss. Oder mit anderen Worten: Von den einstmals hier angesiedelten Textilbetrieben von teils beachtlicher Grösse ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben.

Aus den Webkellern heraus

Das typische Appenzellerhaus erkennt man unter anderem am Webkeller. Er war der Ort, wo die Arbeiter vor der Errichtung von Webereien und Stickereien ihrem Handwerk oblagen und so manchen Familien das Einkommen sicherten. Der in Speicher tätig gewesene Arzt und Literat Gabriel Rüsch vermittelte in seinem 1844 erschienenen Werk «Historisch-geographische Darstellung des Kantons Appenzell, mit besonderer Berücksichtigung seiner Kuranstalten, Alpengegenden und Industrie» eine Vorstellung von den damaligen Verhältnissen. Er erwähnte die Weber und Sticker, die ihre Arbeit meist nicht in Fabriken, sondern in Privathäusern verrichteten, wo man sie in der Regel «mit der Pflege der Tiere, mit Wiesenbau und den Hausgeschäften» verbunden habe. Meist habe sich der Mann mit Weben oder Sticken beschäftigt, die Frau und grössere Kinder mit Spulen und Fädeln. Mit der Errichtung von Textilfabriken Mitte des 18. Jahrhunderts begann in Speicher eine Entwicklung, die der Gemeinde rund 200 Jahre lang den Stempel aufdrückte. In der Zeit höchster Blüte gingen in Speicher 30 Web- und 27 Stickfabrikanten ihren Geschäften nach, wobei die bei ihnen im Brot stehenden Arbeiter ihr Handwerk in der Mehrzahl dennoch als Nebenerwerb zu Hause in den Webkellern und Sticklokalen ausübten. Aus textilgewerblicher Warte zu erwähnen sind auch Betriebe wie Zwirnereien, Bleichereien, Färbereien Brennereien und Appreturen, die allesamt auch in Speicher vertreten waren.Familiennamen wie Schläpfer, Altherr oder Schefer sind eng verbunden mit der Textilindustrie zu ihren besten Zeiten. Namentlich die 1883 gegründete und rund hundert Jahre später verschwundene Weberei Schefer in der Hinterwies war einer der Pfeiler der ortansässigen Industrie und beschäftigte zeitweise über 200 Männer und Frauen. Kaum noch bekannt ist die Existenz einer Stickfachschule für Handmaschinen  sowie einer Nachstickschule im ehemaligen Stickereigebäude von Gustav Altherr vis-à-vis dem Bahnhof (heute Druckerei Lutz). Zwischen 1911 und 1924 wurde dort Unterricht erteilt. Sie hätte, abgestützt auf einen Entscheid des Stimmvolks, einen jährlichen Beitrag erhalten, der aber erst ein Jahr vor der Schliessung erstmals beansprucht werden musste. Finanziell unterstützt wurde die Einrichtung auch vom Kanton und gar vom Bund.