Winterfreuden rund um Speicher

Dass eine Gemeinde, deren höchster Punkt mit 1084 Metern über Meer verzeichnet wird, über zwei Skilifte verfügt, ist beileibe nicht selbstverständlich. Doch der von einer Genossenschaft getragene Skilift Vögelinsegg-Birt und der Trainingslift Blatten versetzen Speicher in diese vergleichsweise komfortable Lage. Allerdings sind die offensichtlich stets milder werdenden Winter immer weniger dazu angetan, dem Skivergnügen über längere Zeit frönen zu können.

Mit dem Skilift in die Stadt

Die Überschrift zu diesem Text macht stutzig, entspricht aber den Gegebenheiten. Das ruft nach einer Erklärung. Wer beim Skilift Vögelinsegg-Birt an der Talstation anbügelt, tut dies auf Territorium der Gemeinde Speicher. Auf der rund 450 Meter langen und eine Höhendifferenz von 80 Metern überwindenden Strecke überquert der Lift kurz vor der Bergstation die Kantonsgrenze zwischen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen und damit auch die Gemeindegrenze zwischen Speicher und der Stadt St. Gallen. In grosszügiger Auslegung dieser Situation könnte man also sagen, dass St. Gallen mutmasslich die einzige Stadt auf der Welt ist, in die man per Skilift gelangen kann.
Den Skilift Vögelinsegg-Birt gibt es seit 1958. Initiant und Betreiber der Einrichtung, die auch Skifahren bei künstlichem Licht erlaubt, war Hans Rohner, auf dessen Grund und Boden der Lift errichtet wurde. Er besorgte viele Jahre lang auch den Pistendienst. Nach dem Tod Hans Rohners übernahm eine von Gemeinderat Franz Knechtle angeregte Genossenschaft den Skilift. Dessen erhalten gebliebener Originalzustand veranlasste das Bundesamt für Kultur, ihn ins Schweizer Seilbahninventar von nationaler Bedeutung aufzunehmen. Ab 1954 bis Ende der 1960er-Jahre hatte ein weiterer Skilift, der vom Almenweg hinauf zur Neppenegg und manchmal behelfsmässig sogar bis auf die Hohe Buche führte, zur Verfügung gestanden. 1972 entstand auf Initiative des früheren Gemeindehauptmanns Hans Rüsch in der Blatten ein Trainingslift, auf dem seither die Kinder ihre ersten Versuche mit den mitunter störrischen Brettern wagen. Das Ehepaar Sylvia und Heinz Vetsch kaufte 1992 den Lift und wurde für sein Engagement zugunsten der Jugend 2009 mit dem Förderpreis der Ersparniskasse Speicher geehrt.
Weit zurück reicht eine weitere Wintersport-Aktivität, für die Speicher zumindest auf regionaler Ebene bekannt war. In einer Waldschneise hinter dem ehemaligen Gasthaus Birt wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts eine Sprungschanze erstellt und Anfang der 1930er-Jahre ausgebaut. Sie diente vorab Trainingszwecken und erlaubte Sprünge bis rund 35 Meter. Längst schon ist sie freilich verschwunden; doch noch immer lässt sich bei einem Augenschein erahnen, wo sie stand.