Rechsteiners Deportation nach Basel

"Aus grüner Weihnacht führte der Januar allmählig in den weissen Winter hinein. Reichlicher Schneefall zeichnete die erste Dekade aus, brachte der Wintersaat, den Wiesen und Obstbäumen die nötige Ruhe und Schutz gegen die Winterkälte, die am 27. des Monats 19 Grad verzeichnete. Der Schneefall brachte aber auch die Möglichkeit leichten Holztransportes und erwünschte Gelegenheit zur Betätigung des Wintersportes. Der kälteste Wintertag stieg am 1. Februar mit -21 Grad auf, am 12. gab der Winter sein strenges Regiment auf, wenn auch der Schlittweg den ganzen Monat hindurch, ja bis in den März hinein anhielt. Sturm und Schneegestöber leiteten zum März über; der Frühlingsanfang stimmte mit dem Kalender gar nicht überein, auf den Strassen fuhr in den Märztagen der Schneepflug und an Hängen tummelten sich sportsfreudige Schlitten- und Skifahrer. Vom April 1917 berichtete die eidg. Wetterwarte in Zürich, dass derselbe der kälteste gewesen seit 100 Jahren; metertief lag vielerorts der Schnee und die Vegetation blieb zurück. Vom ersten bis zum drittletzten Tage immer dasselbe frostige Wintergesicht - weisser Palmsonntag, nebliger, düsterer Karfreitag, weisse Ostern, erst in den letzten Tagen änderte sich die Wetterlage; der Landsgemeindesonntag war der erste schöne Frühlingstag und leitete über zu einem unaufhaltsamen Knospen, Blühen und Gedeihen. Der Maimonat war wirklich ein "goldener Mai". Am Vorabend der Landsgemeinde alles noch öd und leer - vier Wochen später, die in üppiger Fülle prangende Sommerlandschaft, der auch die gefürchteten drei Eisheiligen nichts antun konnten, sie gingen gnädig vorüber. Ungewöhnlich reich an Sonnenschein war der Mai mit seiner mittleren Temperatur von 18-20 Grad Celsius, ein wundervolles Frühlingswetter, wie seit Menschengedenken nicht mehr und dabei die frohe Zuversicht auf einen reichen Erntesegen. Der schöne Juni setzte das Werk seines Vorgängers getreulich fort. Prächtig dastehendes Heu, das auch quantitativ sehr befriedigte, füllte die Scheunen und der Juli förderte mächtig das Reifen der Gemüse, das zu hohen Preisen guten Absatz fand. Die Kartoffelfelder standen im schönsten Blühet und wie der Vorderländer Wetterbeobachter, Papa Blarer, launig bemerkt: "Mancher Hausmutter kam ihr blühendes Kartoffeläckerli viel schöner vor, als der schönste Herrengarten mit seinem ausländischen Blumenflor". Die zweite Hälfte des Monats zeitigte ein prächtiges Emd. Weniger gut meinte es der August mit den ohnehin so geplagten Menschenkindern, während er in seiner ersten Hälfte bald warm bis schwül, bald regnerisch und kühl war, regnete es in der zweiten Hälfte fast immer zu. An mittlerer Wärme kam der September einem Hochsommermonat gleich, dem dann aber ein recht unerfreulicher Oktober folgte mit Regen und Schnee in Abwechslung mit Föhnstürmen. Der Herbstweide machte der Reif und Schneefall ein frühzeitiges Ende. Im November pendelte das Wetter hin und her, wie ein "Wöögli-Zytt" und kalt und neblig war der Dezember und über die Weihnachten äusserst trocken. Die Sylvesterglocken läuteten dem alten Jahr in sternenklarer Nacht, die Bäume über und über mit Rauhreif überzuckert mit -14 Grad Celsius zu Grabe und Millionen und Millionen angstvoll suchender Augen mochten zum flimmernden Firmamente emporgeschaut haben in heissem Flehen, dass doch der Frieden bald kommen möge. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Jahr 1917 wohl eines der furchtbarsten Kriegsjahre war, das die Welt je gesehen, dass aber die Allmutter Erde reichen Segen gespendet hat aus dem Füllhorn des Lenzes und des Herbstes, Scheune und Keller, Küche und Vorratskammer gefüllt hat, dass es eine helle Freude war, diesen Erntesegen zu schauen."

Quelle: Appenzellisches Jahrbuch 1918, S. 252 ff.

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