Briefe des Antistes Jakob Burckhardt (1785–1858)

Briefe des Antistes Jakob Burckhardt (1785–1858) an seinen Freund Johann Jakob Frei (1789-1852), Pfarrer in Appenzell Ausserrhoden

Freund sey brav und bieder und frey. Denn Freyheit geziemt dem Schweizer. Ehre und liebe das Gute in allen Gstalten. Suche nur Wahrheit und Klarheit im Lande wo täuschender Wahn oft Sich als Wahrheit dem Sterblichen darstellt. Trachte dem Ziel, nach Welchem Du sehnsuchtsvoll strebest, immer mehr Dich zu nähern. Liebe uns wie Freund den Freund, wie Bruder den Bruder Liebet, und sey für immer versichert unserer Liebe.

Bevor Burckhardt einen Monat später an die Universität Heidelbert zog, trug sich auch Frei in dessen "Stammbuch" ein: "Erinnere Dich auch in der Entfernung des Bandes der aufrichtigen Freundschaft, das unsre Herzen mit einander vereinigte".

Auf der Rückseite des Blättchens vermerkt Burckhardt später: "Frey. Pfarrer im Appenzell. - War 19 Jahre alt bey seinem Examen, hatte gute Kenntnisse - erhielt bald eine Pfarrstelle und verheyrathete sich mit einer etlich 30jährigen."

Zum Pfarrer von Schönengrund wanderten am 14. August 1822 Burckhardt und Kraus von St. Gallen aus, wo sie auf einer grösseren Schweizerreise begriffen bei ihrem Freund (und Krausens Schwager) David Zollikofer zu Gast waren. Burckhardt erzählte seiner Frau: "Wir nahmen den Weg über Schwellbrunn der herrlichen Aussicht wegen, die uns auch an dem himmlisch schönen Tage völlig zu Theil wurde. Nachdem wir aber nach 5 Stunden marschieren unser Ziel erreicht hatten, erfuhren wir dass Frey auf einem andern Wege nach St. Gallen gefahren sey. Seine etwas ältliche eben nicht schöne und eintönige Frau wollte uns zwar halb und halb behalten zum Mittagessen, was wir aber nicht annahmen; dafür schickte ich einen Expressen nach dem eine Stunde noch weiter entfernten Hemberg und liess den Abraham Grob, der Frau Schweizern Vater zu mir kommen. Nach 2 Stunden war er bey uns, schien sehr erfreut über das Wiedersehen, und redete vieles von Schweizer und von seinem Entschlusse ebenfalls nach America abzureisen. Nach Tisch, welcher in Brod, Wein, Wurst und Caffé bestund, führte uns Frau Pfr. In die Bibliothek und in das Prunkzimmer, welches beydes so herrlich beschaffen ist, dass niemand in dem tiefen abgelegenen, Bergthale solche Schönheiten erwartet. Wir erfuhren vom Wirt, dass Frey sehr geliebt und geschätzt, ein würdiger Geistlicher sey. Auf dem Heimwege, gerade ausserhalb des schönen Herisau, kam uns Frey in seinem eigenen schönen Einspänner entgegengefahren und beiwllkommnete uns aufs herzlichste nicht ohne abgenommenen Gelübde ich nochmals auf der Heimreise zu besuchen. Ohne Müdigkeit kamen wir von unserm 9 stündigen Marschev1/2 9 Uhr in St. Gallen an.

Quelle: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde

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